STEINKELLNER
Beratung, Training, Coaching Systemische
Führung
mit wirtschaftlicher und psychologischer Kompetenz
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Steinkellner, P. (2006). Systemische Führung. In: O. Dengg
(Hrsg.), Coaching – Ein Instrument für Management und Führung. Wien: LVAk.
Führung ist eines der meistbehandelten Themen in der
betriebswirtschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Literatur. Führung ist
ein komplexes, von verschiedensten Faktoren abhängiges Geschehen, wo man bei
den verschiedensten Faktoren (Führungskraft,
Mitarbeiter, Aufgaben, Organisation, Umwelt, Kommunikation, etc)
ansetzen kann. Um diese komplexen Zusammenhänge angemessen verarbeiten zu
können, wurden in der Führungsforschung verschiedene Vereinfachungen angewandt.
In den letzen Jahren werden
hierbei unter anderem verstärkt charismatische, transformationale bzw. auch
visionäre Führung diskutiert. Diese Ansätze reduzieren Führung in erster Linie
auf die Person der Führungskraft und dessen Eigenschaften und Fähigkeiten.
Andererseits wird aber auch vermehrt von
dieser eindimensionalen Betrachtungsweise der Eigenschaften und des Verhaltens
der Führungskraft abgegangen und die Interaktion zwischen Führenden und Geführten
betrachtet. Zu dieser Gruppe von Führungstheorien gehören symbolische,
politische Theorien und systemische Theorien.
Vor allem systemische
Führungsansätze sind hierbei ein frontaler Angriff gegen das traditionelle
Führungsverständnis. Das Bild vom Manager als der dominante Macher wird ersetzt
durch viele Einflusszentren, wo Selbstorganisation im Vordergrund steht. Der
Begriff systemische Führung vereinbart hierbei zwei entgegengesetzte und
scheinbar widersprüchliche Elemente in sich: Führung - im Sinne von
individuelle Einwirkung und Fremdbestimmung – und systemisch – im Sinne von
Ganzheitlichkeit und Selbstorganisation. Systemische Führungsansätze nehmen
Abschied davon, dass man alle Informationen in der Hand haben könnte, um das
Unternehmen zweckrational zu steuern.
Ein streng systemtheoretischer
Hintergrund verbietet eigentlich die Aufzählung einzelner Interventionstechniken.
Andererseits versuchen systemische Interventionstechniken im Gegensatz zu
traditionellen Führungstechniken die Eigenschaften sozialer Systeme wie
Geschlossenheit, Strukturdeterminiertheit und Autonomie ernst zu nehmen. Deshalb können meiner Meinung nach sehr wohl
systemische Interventionstechniken, die in der systemischen Therapie, der
systemischen Organisationsberatung oder dem systemischen Coaching entwickelt
wurden, für die Führung fruchtbar gemacht werden. Will man also nicht jeglichen
Führungsversuch von vornherein ablehnen, dann wird man sich aus
systemtheoretischer Sicht mit diesen Interventionstechniken auseinandersetzen
müssen und sich überlegen wie weit sie in den Führungskontext übernommen werden
können.
Viele der systemischen
Techniken anderer Kontexte scheinen sehr gut für die Mitarbeiterführung
geeignet. Besonders gut geeignet ist die Systemische Gesprächsführung und das
Systemisches Fragen, und hier sowohl Fragen zur Wirklichkeitskonstruktion als
auch Fragen zur Möglichkeitskonstruktion. Systemische Anfangs- und
Abschlussfragen und Problem- und Lösungsszenarien sind ebenfalls sehr gut
geeignete Interventionsformen für die Führung. Systemische Kommentare
(Anerkennung, positive Konnotation, Reframing, Splitting und Reflecting Teams) sind der zweite große Interventionsblock,
der beinahe unverändert auch in der Mitarbeiterführung angewandt werden kann.
Aber auch weitere Interventionsformen (wie analoge und metaphorische Techniken
bzw. Schlussinterventionen) können in bestimmten Situationen und dem
Führungskontext angepasst in der Mitarbeiterführung fallweise eingesetzt
werden.
Systemische Führung ist möglich und erfolgsversprechend,
systemische Interventionstechniken können in der Führung sinnvoll angewandt
werden. Sie sollten allerdings nicht im Sinne eines Rezeptes, sondern im Sinne
einer Anregung verwendet werden, und der Führungskraft dabei helfen, eigene für
das jeweilige System in der jeweiligen Situation passende Intervention zu
entwickeln und über die angewandten Führungsinterventionen zu
reflektieren. Sie helfen
Führungskräften, ihren eigenen systemischen Führungsstil zu (er-)finden.